Resilienz statt Elias

Der Elias von Mendelssohn-Bartholdy ist mein allerliebstes Oratorium. Es war 2006 meine Einstiegsdroge in die großen Werke für Chor, Orchester und Solierende.

Ich liebe die Musik, sie rührt mich immer wieder zu Tränen, in dem Werk sind alle Emotionen musikalisch repräsentiert und wenn man das Werk gesungen oder gehört hat, ist man erschöpft von dieser intensiven, emotionalen Reise.

Im Frühsommer 2021 die Anfrage: „Franziska, wir machen das im November! Wir ziehen den Elias durch. Singst du Alt-Solo?“ Ich habe keine Sekunde gezögert und freue mich seit diesem Telefonat fast täglich auf das Konzert.

Gestern Anfahrt nach Düsseldorf. Im Zug der Anruf: Wir sagen das Konzert ab. Zu viele Chorsänger*innen Corona positiv.

Okay. Einmal schlucken. Krone richten und weiter: Dann halt ein schönes Wochenende in Düsseldorf bei einer lieben Gastfamilie und meine Eltern hatten eh gebucht und mit dem halben Bein schon im Zug auf dem Weg zu mir.

Dann heute morgen die nächste schlechte Nachricht: meine Gasteltern sind positiv. Wussten sie aber gestern Abend noch nicht, denn die Schnelltests waren täglich negativ.
Jetzt sitze ich im Zug zurück nach Hamburg, werde mich bis Montag in freiwillige Quarantäne begeben und dann einen PCR-Test machen.

Heute ist es nicht so einfach meine Laune hoch zu halten. Aber ich weiß auch, dass mein Immunsystem und ich jetzt stark sein müssen und dass ich mit Stress und Angst weder verhindern kann, dass es schlimm wird, noch irgendwem nutze.

Ich weiß seit dem Anruf bezüglich der Absage, dass ich jetzt auf meine Resilienz zählen muss und darf. Eine starke Resilienz bedeutet, dass man, nachdem etwas schwieriges passiert, wieder aufstehen kann und mit der Situation klar kommt. Ich habe 2018 schmerzlich gelernt, wie gut meine Resilienz ist und ich bin dankbar, dass ich offensichtlich schon mit einer guten Grunddisposition gesegnet bin. Wer mich und meinen Weg seitdem miterlebt hat, weiß aber auch, dass ich seitdem proaktiv sehr viel dafür tue.

Und was genau ich jetzt machen werde, um meine Resilienz zu unterstützen, das möchte ich jetzt mit dir teilen.

Ich sitze im Zug nach Hamburg und höre Musik. Ich höre richtig schöne Uptempo Musik, die mich zum Tanzen motiviert und gute Laune macht. Ich verbinde mich mit Menschen, die mir gut tun. Ich schreibe ihnen und bekomme wunderschöne, unterstützende Worte zurück. Dafür bin ich dankbar. Wenn ich diesen Post fertig geschrieben habe, werde ich mein Tagebuch herausholen und aufschreiben, wofür ich dankbar bin. Zum Beispiel, dass ich meine Eltern nicht anstecken werde. Dass das Konzert abgesagt wurde und damit sehr wahrscheinlich eine Infektionswelle zumindest an dem Ort gebrochen wird. Dass ich doppelt geimpft bin. Dass ich durch seit 2018 viel für mein Immunsystem tue und Nahrungsergänzungsmittel nehme, die mein Immunsystem auf ganz besondere, natürliche Weise schützen und stärken. Dass ich diese Freunde an meiner Seite habe, die mich unterstützen. Dass ich weiß, dass es wieder einfacher wird und diese Tage mich einfach prüfen, wie ich mit der Situation umgehe. Dass ich mir erlaube, im Zug zu sitzen und zu weinen. Dass ich auch der Frustration und der Trauer den Raum gebe. Dass ich mich traue, mich hier in der Öffentlichkeit so verletzlich zu zeigen. Dass ich damit hoffentlich für dich ein Beispiel bin, dass es in Ordnung ist, zu verzweifeln und wütend und traurig zu sein. Und dass es aber auch meine Verantwortung ist, mich gut um mich zu kümmern. Wasser zu trinken, liebevoll mit mir umzugehen und mich selbst zu bemuttern. Das ist unsere Aufgabe, wenn wir erwachsen werden. Verantwortung für uns selbst zu übernehmen. Und wenn wir das können, dann ist der Welt schon so sehr geholfen, weil du dann auch ganz anders Verantwortung für die Menschen um dich herum übernimmst, wenn du lieb zu dir selbst bist.
Mit diesen Worten ende ich. Sei lieb zu mir. Sei lieb zu dir. Alles wird gut.

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